23. Dezember 2008
Geplant war es ganz anders. 1959, vierzehn Jahre nach Kriegsende, als der Hunger aus Deutschland wieder verschwunden war, da riefen die evangelischen Gemeinden zum ersten Mal zu einer großen Sammlung auf, um den Hungernden in der Welt zu helfen.
Der Name für die Aktion bereitete einiges Kopfzerbrechen. „Lazarus vor Europas Tür“ lautete ein Vorschlag. „Denn sie sollen satt werden“ ein anderer. Ein Dritter: „Dein Bruder hungert!“ Keiner stellte alle zufrieden.
Doch dann kam ein Vorschlag, der alle Ziele und Visionen auf den Punkt brachte. „Brot für die Welt” Brot’ – das elementar Notwendige und zugleich das Wort voll geistlicher Transparenz; ‚die Welt’ – die universale Liebesabsicht Gottes und darum auch das Feld des Dienstes seiner Jünger anzeigend; ‚für’ – also positiv, hilfreich und aufbauend, ... ganz und gar ohne ein ‚Anti’!“
Einmalig sollte die Aktion sein. Die Kir-chenglieder unterstützten den Aufruf großzügig. Die Sammlung brachte mit 14,6 Mio. DM in Westdeutschland und 4,8 Mio. Mark in Ostdeutschland mehr Mittel auf als jeder andere Spendenaufruf in der evangelischen Kirche zuvor. Man beschloss, zu einer zweiten und dritten Aktion aufzurufen. Die Hoffnung war groß, dass der Hunger in der Welt besiegt werden könnte und dass sich die Aktion schnell selbst überflüssig machen würde.
In diesem Jahr rufen die evangelischen Kirchengemeinden zum 50. Mal auf, die neue Aktion von „Brot für die Welt“ zu unterstützen. Immer noch gibt es Hunger in der Welt, immer noch fehlt es Millionen am Zugang zu sauberem Wasser und an der Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Und gerade in diesem Jahr gab es viele Meldungen über Menschen, die für ihr Recht auf Nahrung auf die Straße gehen mussten. War etwa alles umsonst?
Dank der starken Unterstützung durch die Kirchengemeinden hat die Aktion „Brot für die Welt“ durch ihre Partnerorganisationen in den Ländern des Südens millionenfach geholfen, Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen. Es gibt weiter Hungernde, doch ohne „Brot für die Welt“ wären es mehr. Kinder wurden aus Steinbrüchen befreit und gehen jetzt zur Schule. Kleinbauern bearbeiten ihr Land nachhaltig und geben ihr Wissen weiter. Frauen sammeln das Regenwasser und müssen nicht mehr die langen Wege zum Fluss zurücklegen.
Für die 50. Aktion hat „Brot für die Welt“ bewusst ein positives Motto gewählt, welches auf das Ganze zielt: „Es ist genug für alle da“. Darin spiegelt sich die christliche Grundüberzeugung: Gott hat die Welt für alle Menschen geschaffen. Die Gaben der Schöpfung reichen für alle, wenn alle miteinander teilen und sorgsam mit Nahrungsmitteln und Bodenschätzen umgehen.
Mit Ihrer Unterstützung wird „Brot für die Welt“ auch in diesem Jahr in ca. 1.000 Projekten in Afrika, Asien und Lateinamerika dazu beitragen, dass ‚Hungernde essen, Durstige trinken, Fremde aufgenommen und Nackte gekleidet werden’ (nach Matthäus 25,31-46).
Wir wünschen Ihnen eine gesegnete und frohe Weihnachtszeit.
Ihre Gisela und Manfred Seifert