27. Oktober 2006
Am letzten Sonntag im Kirchenjahr gedenken wir im Gottesdienst aller unserer Verstorbenen, besonders aber derjenigen, die in diesem Jahr gestorben sind. Wir nennen ihre Namen und zünden ein Licht an in Erinnerung an sie.
Die Blätter fallen – Nebel steigen auf und in diesen Tagen wächst die Dunkelheit. Angesichts der Vergänglichkeit um uns herum fragen wir nach dem Bleibenden. Wer würde nicht die intensiven Augenblicke seines Lebens gern festhalten: „Verweile doch, du bist so schön!“ Doch dieser Wunsch nach Dauer bleibt eine Illusion, weil alle Zeit begrenzt ist und unser Leben ein Ende hat.
Seine Endlichkeit zu akzeptieren, ist ähnlich schwer, wie unser Versuch, die Ewigkeit zu begreifen. Gibt es wirklich eine unendliche Zeit in Vergangenheit und Zukunft? Die Bibel kennt die Ewigkeit nicht als allgemeinen philosophischen Begriff, sondern nur in Verbindung mit Gott. Er war vor aller Zeit und wird nach uns sein, „von Ewigkeit zu Ewigkeit“.
Christen haben – gerade nach Ostern – die Gewissheit: Weil Gottes Liebe in Zeit und Ewigkeit gilt, kann sie nicht vom Tod begrenzt werden. Darum werden wir auch über den Tod hinaus mit ihm verbunden sein und ewiges Leben haben. Wer in diesem Bewusstsein lebt, wird die Prioritäten des Alltags vielleicht anders setzen und mit manchen Themen und Menschen seines Lebens sorgfältiger, liebevoller und freier umgehen können.
Ihre Gisela Seifert