3. Januar 2007
Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?
Jesaja 43,19
Wenn ich an die Jahreslosung denke, dann fällt mir gleich ein, dass in dieser ungewöhnlich milden Witterung schon am Jahresanfang die Mandelbäumchen knospen. Wann habe ich das schon mal erlebt?
Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt,
ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt.
Dass das Leben nicht verging,
so viel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering,
in der trübsten Zeit.
Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht.
Doch des Lebens Blütensieg
leicht im Winde weht.
Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
bleibe uns ein Fingerzeig,
wie das Leben siegt.
Dieses Lied schreibt Fritz Rosenthal aus München im Jahre 1942 in Jerusalem und nennt sich seit 1935 bewusst „Schalom Ben-Chorin“, übersetzt heißt das „Friede, Sohn der Freiheit“.
Mitten im Zweiten Weltkrieg schreibt dieser jüdische Deutsche mitten in Palästina sein Lied als „Zeichen für des Lebens Sieg“. „Obwohl – ein bisschen meschugge, ein bisschen verrückt ist das ja: ein zarter Blütenzweig als Protest gegen den Druck von Hoffnungslosigkeit.“ So wird er selbst Jahrzehnte später sagen.
Und er fährt fort: „Muss man vielleicht nur genau hinschauen, um die Zeichen zu entdecken?“
Ein solches Zeichen ist der „Mandelzweig“. Beim Propheten Jeremia 1, 11-12 lesen wir: „Das Wort des Herrn erging an mich: Was siehst du, Jeremia? Ich antwortete: Einen Mandelzweig sehe ich. Da sprach der Herr zu mir: Du hast richtig gesehen; denn ich wache über mein Wort und führe es aus.“
Der Mandelzweig als Symbol dafür, dass Gott über seine Schöpfung wacht. Sein Wort schuf diese Welt. Sein Wort wurde Mensch.
Und dieser Jude Jesus von Nazareth spricht auch von den „Zeichen der Zeit“ (Matthäus 16, 2.) Er macht seinen Zeitgenossen den Vorwurf, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen, obwohl sie viele Zeichen der Natur erkennen. Immer wieder fordern die Menschen Zeichen von Jesus. Eines der großen Zeichen, das Jesus seinen Zeitgenossen schenkt, ist die Heilung eines Blinden.
Ich wünsche uns allen volle Sehkraft für Gottes ermutigende Zeichen unter uns.
Ihre Pfarrerin Gisela Seifert