Evangelische Petrusgemeinde Dessau-Nord

Evangelisch aus gutem Grund

Sommerzeit - geschenkt

27. Oktober 2007

In einem Weihnachtssketch von Loriot stampft der alte Opa Hoppenstädt mit dem Fuß auf wie ein Kind und ruft: „Ich will jetzt mein Geschenk!“ Und er bekommt es.

Am Sonntag bekommt Jede und Jeder in unserem Land sein Geschenk. Ich bezweifle, ob man das zu Weihnachten auch sagen kann. Aber morgen jedenfalls ist es so. Gegen 3 Uhr bekommen sie ihr ganz persönliches Geschenk – eine Stunde Zeit.
Viele von uns hetzen durch ihre Tage mit den Worten auf den Lippen „Ich habe keine Zeit“, mit dem Gefühl im Bauch, dass ihnen die Zeit wegläuft, mit dem Gedanken im Kopf, dass Zeit Geld sei und mit der Wehmut im Herzen „Ach, wie die Zeit verrinnt!“.

Wenn das so ist, dann ist es um so wichtiger, sich zu vergegenwärtigen, dass Zeit, Lebenszeit allemal, immer ein Geschenk ist. Keiner kann seiner Lebenszeit auch nur eine Spanne hinzusetzen.

Was machen sie nun morgen mit dieser kostbaren Stunde? Ausschlafen? Mit der oder dem Liebsten kuscheln? Den Frühstückstisch einmal besonders sonntäglich decken? Einmal die Sonne aufgehen sehen? Es gibt bestimmt noch mehr gute Ideen, auf die sie selber kommen werden.

Eine möchte ich noch beisteuern. Wie wär’s mal mit einer Stunde in einer Kirche?

Erinnern sie sich noch wie das war? Erinnern sie sich noch an die Ostrock-Band „electra“ und wie elektrisierend Stefan Trepte singt:

„Tritt ein in den Dom, durch das herrliche Portal.
Tritt ein in den Dom, alle verrückten Tage einmal.
Tritt ein in deinen staubigen Schuhn.
Ohoh – tritt ein … ein paar Minuten zu ruhn.
Tritt ein in den Dom, kleiner Mensch tritt ein!
Hier umfängt dich die Stille, jede Pupille wird weiter.
Riesig wird jede Pupille und erstrahlt in den Farben der Fenster.“

Vielleicht vermuten sie nun, ich möchte womöglich für den Eintritt in die Kirche werben. Genau das will ich, mal für eine Stunde, dann und wann, eben alle verrückten Tage einmal und warum nicht auch für immer, als Mitglied?

Die Zeit ist immer geschenkte Zeit, eine kostbare Gabe. Es ist gut und wichtig, den rechten Gebrauch der Zeit zu bedenken.
“Herr, ich habe Zeit. Ich habe meine Zeit für mich. Alle Zeit, die du mir gibst, die Jahre meines Lebens, die Tage meiner Jahre, die Stunden meiner Tage, sie gehören alle mir. An mir ist es, sie zu füllen, bis zum Rande, um sie dir darzubringen, damit du aus ihrem schalen Wasser einen edlen Wein machst, wie du es einst tatest, zu Kana, für die Hochzeit der Menschen. Herr, ich bitte dich heute nicht um die Zeit, dieses und dann noch jenes zu tun. Ich bitte dich um die Gnade, in der Zeit, die du mir gibst, gewissenhaft das zu tun, was du willst, dass ich tun soll.”(nach Michel Qoist).

Manfred Seifert

Petruskirche Dessau
Wilhelm-Müller-Straße 1
06844 Dessau-Roßlau
Telefon: 0340 212039