Evangelische Petrusgemeinde Dessau-Nord

Evangelisch aus gutem Grund

Glauben und Wissen

2. Mai 2010

Gedanken zum Monatsspruch im Mai

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebräerbrief 11,1

Das passt nicht zusammen, sagen viele. Entweder du weißt es, oder du glaubst es bloß. Oberflächlich betrachtet sind Glauben und Wissen ein Gegensatzpaar – jedenfalls für viele Menschen. Ich glaube, dass das ein Missverständnis ist.

Glaube und Wissen sind beides Weltdeutung, aber aus unterschiedlicher Perspektive und mit unterschiedlicher Fragehaltung.

Es war und ist ein dummer Fehler, wenn glaubende Menschen und vor allem wenn Theologen Gott dort ansiedeln, wo die Wissenschaft noch Lücken hat. Gott als Lückenfüller für noch unerforschtes Terrain ist ein Gott auf dem Rückzug. Unser Gott aber ist, um im Bild zu bleiben, ein treuer Begleiter.
Der Monatsspruch für den Mai enthält aber noch andere Reizwörter. Z. B. das Unsichtbare. Unser Alltag steckt voller „Unsichtbarem“. Für den „gesunden Menschenverstand“ nicht fassbar. Dabei muss ich nicht gleich an Einsteins Relativitätstheorie denken, mir ist schon die ganze Kommunikationstechnologie unfassbar, auch wenn ich sie immer besser zu nutzen lerne.

Wer ernsthaft nach der Wahrheit sucht, kommt am Unbegreiflichen, Unsichtbaren nicht vorbei. Und damit sind wir wieder bei der Frage nach Gott. Glaube und Vernunft gehören zusammen. Der christliche Glaube hat ein starkes aufklärerisches Potential in sich. Wir in Anhalt wissen das. Fürst Franz lässt grüßen.

Aber über alle Aufklärung hinaus hat er, der Glaube, ein noch größeres Potential von visionärer Zuversicht und tröstlicher Gelassenheit in sich. „Wenn morgen die Welt unterginge, würden wir nicht doch noch alle Apfelbäumchen pflanzen, die zu pflanzen sind?“

Genießen Sie die Zeit der blühenden Apfelbäume.

Ihr Manfred Seifert

Petruskirche Dessau
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