4. September 2010
Gedanken zum Monatsspruch im September
Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. Kohelet 3,13
In allen Mühsalen des Alltags wohlgemut sein – das ist ein Geschenk Gottes. Genießen trotz Krise. Wann immer das möglich ist, dann ist es gut.
Freilich werden wir dabei nicht ausblenden, was um uns herum passiert. Armutsrisiken steigen. Und jetzt gerade brauchen die Menschen in Pakistan unsere Unterstützung.
Trotzdem: Trübsal blasen und Verzicht um des Verzichts willen ist keine besondere evangelische Haltung.
Georg Neumark schrieb mitten im 30-jährigen Krieg diese Liedstrophe:
Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit. (EG 369)
Er wurde 1621 geboren und wuchs während des Dreißigjährigen Krieges auf. In Gotha war er zur Schule gegangen und machte sich nach erfolgreichem Abschluss im Jahr 1640 nach Königsberg auf, um dort Jura zu studieren. Man war damals zu Fuß unterwegs. Er wurde wurde überfallen und ausgeraubt, verlor die wertvollen Bücher, seine Kleidung, sein Geld. Sein Leben konnte er retten, aber es bleibt ihm nichts außer einigen Empfehlungsschreiben. Der Winter rückt näher und Georg Neumark schlägt sich über Magdeburg und Lüneburg schließlich nach Hamburg durch.
Anfang 1641 landet Georg Neumark in Kiel, mit nichts mehr als dem, was er auf dem Leib trägt. In seinen Erinnerungen schreibt Neumark vierzig Jahre später: „So wurde ich so melancholisch, dass oftmals ich des nachts in meiner Kammer den lieben, barmherzigen Gott mit heißen Tränen kniend um Hilfe anflehte.”
Da, endlich lacht Georg Neumark wieder das Glück. Es wird in Kiel überraschend die Stelle eines Lehrers frei. Georg Neumark erhält die Lehrerstelle und bleibt zwei Jahre in Kiel, bis er das Geld für sein Studium zusammen hat. Noch an dem Tag, an dem er seine Stelle als Lehrer antritt, hat Georg Neumark sein Lied gedichtet und komponiert: „Wer nur den lieben Gott lässt walten”. Neumark war damals zwanzig Jahre alt. Sein Lied wurde vielfach übersetzt und fand weltweit Verbreitung. Bis heute ist es rund um den Globus in Gesangbüchern zu finden. Neumark studierte später tatsächlich Jura, widmete sich aber immer auch der Poesie und der Musik.
Er arbeitete am Weimarer Hof und wurde ein führendes Mitglieder der „Fruchtbringenden Gesellschaft” in Köthen, der bedeutendsten literarischen Gesellschaft jener Zeit.
Seine letzte Strophe dieses Liedes lautet:
Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.
Ihr Manfred Seifert