27. September 2008
Gedanken zum Montsspruch vom Oktober – Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen. Psalm 65,9
Im Oktober wird Erntedank gefeiert, auch Reformationsfest und Halloween. Gerade wurde die Lutherdekade mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 in Wittenberg eröffnet.
Der Monatsspruch könnte dazu verleiten, über Ost-West Geschichten nachzudenken. Gemeint ist aber, dass Gott Lebensfreude schenkt von Ost bis West – also so weit der Himmel reicht – und auch von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang – also rund um die Uhr.
Eine Studie, von der ich gelesen habe, besagt, dass Menschen, ob reich oder arm, krank oder gesund, dann am zufriedensten sind, wenn ihre Beziehungen untereinander stimmen. Deutschland belegte trotz Reichtum und Gesundheitsvorsorge auf höchstem Niveau einen hinteren Platz. Was stimmt bei uns nicht? Ich glaube unsere Beziehungen. Weil sie mehr von Konkurrenz statt von Solidarität, von Misstrauen statt Zuwendung geprägt sind.
Und wie sieht es mit unserer Beziehung zu Gott aus? Luther hat betont, dass der Mensch vor Gott schon angesehen ist, bevor er irgendetwas hätte tun können. Gott wendet sich uns bedingungslos zu. Wir sollten uns nicht abwenden. So wie die Natur uns ihren ganzen Reichtum zuwachsen lässt und wir darum Erntedankfest feiern können, so ist Gott zu uns.
Und was ist mit Halloween? Etwas haben Halloween und der Reformationstag gemeinsam: Es ist der Kampf gegen Gespenster. Gruselig beleuchtete Kürbisse und den Thesenanschlag von Wittenberg miteinander in Verbindung zu bringen mag gewagt erscheinen. Aber beide wollen ja am Vorabend des Allerheiligentages Gespenster vertreiben. Hier die Gespenster der umherirrenden Verstorbenen, dort die Gespenster einer in ihren Irrtümern alt und unbelehrbar gewordenen Kirche. Ob die Kürbisfratzen ihren Zweck erfüllen? Da der christliche Glaube nichts von Toten weiß, die sich dann und wann zu einer Erscheinungstournee aufmachen, um den Lebenden einen gehörigen Schrecken einzujagen, können wir die Frage auf sich beruhen lassen. Halloween ist, außer für Handel und Geschäft, vollkommen überflüssig.
Ganz und gar nicht überflüssig ist hingegen der Reformationstag. An die Reformation dankbar zu erinnern und sie fröhlich zu feiern ist vor allem immer wieder notwendig, damit die Kirche nicht zum Opfer ihrer eigenen Lebenslügen und damit selber zum Gespenst wird. Zum Gespenst abgelebter Tradition, zum Gespenst verknöcherter Verkündigung, aber auch zum Gespenst trendiger Zeitgeistigkeit. Wie kann man dagegen angehen? Gespenster, das weiß jedes Kind, bannt man am besten mit Gesang. Auch da kann Martin Luther helfen. Ihm verdanken wir eine herrlich mitreißende Melodie und einen wunderschönen mutmachenden Text. Der Düsseldorfer Heinrich Heine nannte das Lied von der festen Burg begeistert die „Marseillaise der Reformation“.
Heute, wie damals gilt:
„Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.“
Ihr Manfred Seifert