31. Januar 2010
Die Armen werden niemals ganz aus deinem Land verschwinden. Darum mache ich dir zur Pflicht: du sollst deinen Not leidenden und armen Bruder, der in deinem Land lebt, deine Hand öffnen. 5. Mose 15, 11
Der Kern des 5. Mose-Buches in der Bibel sind Gesetzesvorschriften, die eingebettet sind in die Geschichte Gottes mit Israel.
Im Rahmen der Ordnungen für das gottesdienstliche Leben (Kap. 12 -16) finden sich im Kap. 15 die Vorschriften für das Erlassjahr. Es erinnert daran, das alles Gott gehört, der Acker und seine Früchte, auch die im weitesten Sinne. Darum werden nach sieben Jahren alle Schulden erlassen, geborgtes geht ins Eigentum über.
Vorherrschend ist eine realistische Sicht der Dinge: Armut wird es immer geben im Lande. Darum sind gerade diejenigen, denen Gott Hab und Gut gegeben hat, aufgefordert, denen zu geben, die nichts haben. Aber nicht nur ein Almosen, sondern soviel, dass der Mangel behoben ist. Und das soll nicht mit arglistigen Gedanken, sonder mit offenen Händen und weitem Herzen geschehen.
Hier finde ich die Wurzeln des Sozialstaats, wie er gemeint ist. Auch die Möglichkeit der Privatinsolvenz scheint mir ein Nachklang auf das Erlassjahr zu sein. Wir leben eben in einer jüdisch / christlichen Kultur – wenn auch auf dünnem Eis.
Seit Inkrafttreten der Insolvenzordnung 1999 ist es für natürliche Personen erstmals in Deutschland möglich, sich nach Durchlaufen eines geregelten Verfahrens (Verbraucherinsolvenzverfahren) von Verbindlichkeiten zu befreien. Vorheriger Rechtszustand war, dass der Schuldner praktisch keine Chance dazu hatte – ein Leben an der Pfändungsgrenze auf Dauer war programmiert. Jetzt hat der Schuldner die Chance, sechs Jahre nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens die alten Verbindlichkeiten los zu sein. Es ist erstaunlich, wie nah dran der Monatsspruch an den heutigen Problemen ist.
Und es bleibt der Aufruf an den Einzelnen bestehen. Jesus hat ihn aufgegriffen und verstärkt.
Abgeben für die Opfer des Erdbebens in Haiti, Unterstützung des Projekts unseres Diakonischen Werkes „Kindern Urlaub schenken“, für ein Schulkind aus der Nachbarschaft das Essengeld übernehmen – das könnten Beispiele sein für offene Hände – die handeln aus Dankbarkeit, weil sie Gott gut gefüllt hat.
Gisela Seifert