1. Juni 2009
Gedanken zum Monatsspruch im Juli
Freut euch in dem Herrn.
Philipperbrief, 3,1
Freude auf Befehl – geht denn das? Nein, werden sie sagen, und sie haben recht damit. Freude kann man nicht anknipsen. Freude wächst wie eine Frucht und braucht dazu meist das Klima einer guten Gemeinschaft, denn es heißt ja auch: geteilte Freude sei doppelte Freude.
Paulus beschreibt in seinem 2. Brief an die Christen in Korinth seine Rolle als „Gehilfe zur Freude“. Das ist auch unsere Aufgabe, die wir füreinander übernehmen sollten. Sie ist viel schöner und lohnender als die anderen Rollen, die sonst häufig gespielt werden: Ratschlaggeber, Oberlehrer, Kritiker, Urteiler, Besserwisser und ähnliche Zeigefinger – Rollen.
Vielleicht kennen sie die chinesische Parabel von dem Fest, das nicht stattfand. Ein Hochzeitspaar wollte ein großes Fest feiern. Sie wollten ihr Glück teilen und wünschten sich, dass ihre Freude auf andere überspringt. Weil sie aber nicht viel Geld hatten, baten sie jeden Gast, eine Flasche Wein mitzubringen.
Als das Fest begann, stand am Eingang ein großes Fass, in das jeder die Flasche Wein hineingoss. Anschließend verteilten die Kellner den Wein aus dem Fass an die Gäste. Doch schlagartig waren alle wie versteinert, als sie merkten, dass es nicht Wein, sondern Wasser zu trinken gab.
Jeder hatte gedacht: Heute feiere ich mal auf Kosten anderer. Die eine Flasche Wasser, die ich hineinschütte, schmeckt niemand. Traurig und voller Scham saßen die Gäste den Abend über da. Am Ende gingen alle nach Hause. Das Fest hatte nicht stattgefunden.
Wann aber kann ein Fest stattfinden? Gefeiert werden kann dann, wenn alle das beitragen und einbringen, was sie können, was ihnen eigen ist: Die einen gestalten den Raum festlich, die anderen kümmern sich um’s Essen, die nächsten bringen ihre Instrumente mit, wieder andere haben vielleicht ein Lied gedichtet; jemand fühlt sich dafür verantwortlich, dass alle etwas zu trinken haben, andere haben ein paar Spiele vorbereitet. Einige sind einfach da, haben ein offenes Ohr und ein gutes Wort.
Jedes Fest ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass menschliches Leben nur gemeinsam gelingt.
Die Zutaten zum Fest sind wir alle und das Fest ist letztlich das Leben selbst.
Die Ermunterung „Freut euch in dem Herrn“ knüpft an an die Erfahrung mit dem, der aus dem Alltagswasser Festwein werden ließ. Der gemeinsame Glaube an Jesus Christus, wie unterschiedlich er auch immer sei und gelebt wird, ist unser Grund zur Freude.
Seien Sie behütet im Urlaub und in den Schulferien.
Ihr Manfred Seifert