29. Juni 2010
Gedanken zum Monatsspruch zum Juli
So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott. Hosea 12,7
Unsere Rechtssicherheit ist sehr hoch und von zehntausenden Paragraphen abgesichert. Trotzdem kommen wir nicht ohne Barmherzigkeit aus.
Beides gehört zusammen und ist kein Gegensatz. Jesus erzählt dazu die klassische Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10). Und nach Matthäus 25 sind die sieben Werke der Barmherzigkeit die folgenden:
Hungrige speisen.
Dürstenden zu trinken geben.
Nackte bekleiden.
Fremde aufnehmen.
Kranke besuchen.
Gefangene besuchen.
Tote begraben.
Dabei wurzeln für den Propheten Hosea sowohl Recht als auch Barmherzigkeit in der Hinwendung zu Gott. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Aus der jüdisch-christlichen Barmherzigkeit heraus entwickelten sich im 19. und 20. Jahrhundert sozialstaatliche Strukturen, die letztlich die einzelnen Menschen mit Rechten ausstattete, die sie auch in Anspruch nehmen konnten. Immer mehr trat an die Stelle des „Wohltäters“ der Sozialstaat mit seinem sich mehr und mehr entfaltenden sozialen Netz.
Heute geht es darum, dieses Netz zu bewahren und nicht noch löchriger werden zu lassen. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir trotzdem dem anderen Menschen unsere Barmherzigkeit nicht entziehen, so wie Gott auch uns barmherzig bleibt. Hauptsache ich ist keine Lösung, sondern das Problem.
Ihr Manfred Seifert